Fritz-Walter-Stiftung

Figur der Zeitgeschichte

Der 75. Geburtstag des Ehrenbürgers der Stadt Kaiserslautern Fritz Walter am 31. Oktober 1995 fand in der Tagespresse ein nachhaltiges Echo. Von Kiel bis Konstanz, von Aachen bis Dresden huldigte man dem ,großen Fritz‘, würdigte man z.T. überschwänglich die lebende „Fußball-Legende“, der selbst die „Neue Zürcher Zeitung“ ihre Reverenz nicht versagen mochte. Bei all den Glückwunschadressen und Laudationes handelte es sich keineswegs um bloße Pflichtübungen, die man eher beiläufig erledigt, ganz im Gegenteil! Zahlreiche Blätter, so u. a. der Bonner „General-Anzeiger“ die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, der „Mannheimer Morgen“, die „Neue Osnabrücker Zeitung“, „Die Rheinpfalz“, die „Stuttgarter Zeitung“, die „Süddeutsche Zeitung“, der „Trierische Volksfreund“, „Die Welt“ oder die „Westfälische Rundschau“ brachten sogar ganzseitige Artikel bzw. mehrere Beiträge, und auch die Wochenzeitung „Die Zeit“ wollte nicht zurückstehen. Zu registrieren ist überdies, dass eine ganze Anzahl der Texte nicht im speziellen Sportteil erschien, sondern – in entsprechender Aufmachung und mit exemplarischen Fotos versehen – beispielsweise in der jeweiligen Wochenendausgabe.

Unter den Verfassern dominiert verständlicherweise die erste Garnitur aus der Zunft der Sportjournalisten, doch äußern sich darüber hinaus Feuilletonisten, Schriftsteller oder Politikwissenschaftler über das Phänomen Fritz Walter. Die wohl bekanntesten von ihnen sind die Buchautoren Hans Blickensdörfer, Helmut Herles, Horst Vetten, der ehemalige ARD-Fernsehkommentator und Haupt-Abteilungsleiter Sport beim Südwestfunk Rudi Michel, der Chef der Sportredaktion der „F.A.Z.“ Steffen Haffner sowie der Politologe Arthur Heinrich, Mitherausgeber und Redakteur der in Bonn erscheinenden „Blätter für deutsche und internationale Politik“. Heinrich hatte schon 1994 durch eine zeit- und mentalitätsgeschichtliche Untersuchung der Presseberichterstattung anlässlich des Gewinns der Fußballweltmeisterschaft 1954 in Bern einen größeren Leserkreis auf sich aufmerksam gemacht. Zusammen mit Blickensdörfer und Vetten gehört er auch zu der Gruppe von Autoren, die uns in Rudi Michels Anthologie „Fritz Walter – Die Legende des deutschen Fußballs“, Stuttgart 1995, begegnen. Diese mit zahlreichen Abbildungen ausgestattete Publikation kam wenige Wochen vor Fritz Walters 75.Geburtstag heraus. Der Sammelband, der zu Recht eine gute Aufnahme fand, enthält rund drei Dutzend Einzelbeiträge und hat wohl nicht allein vom Titel her mancher aktuellen Würdigung in der Tagespresse das eine oder andere Stichwort geliefert.

Die bemerkenswerte Resonanz in der Presse – dies gilt ebenso für die neuen Bundesländer – belegt auf eindrucksvolle Weise die geradezu einzigartige Popularität „der zeitlosen Identifikationsfigur des deutschen Fußballs“ Fritz Walter. Vergleicht man Inhalt und Gesamttenor der vorliegenden Kommentare und Porträts, so fallen, was das Spektrum der Bewertungen und die sprachliche Diktion anbetrifft, häufige Parallelen auf. Diese verblüffende Übereinstimmung ist gewiss nicht nur darauf zurückzuführen, dass einige unserer Verfasser gleichzeitig für verschiedene Tageszeitungen schrieben oder man gelegentlich einen von der „dpa“ verbreiteten Text zur Grundlage des Beitrages machte. Einen ersten Eindruck von der Tendenz, vom Stil und der vorherrschenden Einschätzung vermitteln auf besonders prägnante Weise die nachfolgend ausgewählten Überschriften. In ihnen kommen bestimmte Grundmuster des Fritz Walter-Bildes geradezu stereotyp zum Ausdruck:

„Fritz Walter – ein Vorbild für alle Sportler“

„Vorbild im Sport und Leben“

„Mensch ohne Makel, Star ohne Allüren“

„Tadelloser Mensch, Star ohne Allüren. Die lebende Fußball-Legende aus der Pfalz“

„Das erste Nachkriegsidol des deutschen Fußballs, der gute Mensch vom Betzenberg, feiert seinen 75. Geburtstag“

„Ein bescheidener Held“

„Zeitlos populär wie Schmeling. Fritz Walter, des deutschen Fußballs strahlendste Legende“

„Der König vom Betze ist 75. Fritz Walter, Symbol der Nachkriegsepoche und Legende des Fußballs“

„Ein Skorpion ohne Stachel“

„Ein Zauberer am Ball, ein Vorbild für Generationen“

„Der Pelé aus der Pfalz“